Donnerstag, 21. Juli 2011

Vorlesungsfreie Zeit – wenn die Semester die wahren Ferien sind


Die Semesterferien haben begonnen und mein Körper hat ganz ohne mein geistiges Zutun schon mal auf "Faulenzen" und "Ausschlafen" geschaltet. Und das ist eine wirklich schlechte Idee. Denn für mich bedeuten Semesterferien erst recht ganz viel Arbeit. Vor allem dieses Semester sieht es stressig aus: drei Hausarbeiten warten auf mich, eine im Programmieren, eine 20-seitige über Forschungsumgebungen und wahrscheinlich noch eine über Erzählstrukturen. Wer jetzt nicht weiß, was ich studiere - und selbst wer es weiß - wird sich fragen, was das bloß für eine chaotische Mischung ist. Eine richtige Antwort darauf kann ich nicht geben. So ist mein Studium eben aufgebaut.
Diese Woche habe ich mit den Recherchen zur ersten Hausarbeit angefangen. Wie so oft gestaltet sich diese als besonders kniffelig und langwierig und das nicht etwa, weil es zu wenig Literatur oder andere Quellen gibt, sondern weil es gar nicht so leicht ist einzugrenzen, was eigentlich in die Hausarbeit rein soll. Nehmen wir die Forschungsumgebungen: die Hausarbeit ist natürlich spezifisch auf die Umsetzung einer speziellen, nämlich virtuellen Forschungsumgebung und das auch noch für einen ganz speziellen Bereich bezogen. Das bedeutet, dass es nicht nur zu überlegen gilt, was eine Forschungsumgebung ist und wie sie aussieht, sondern wie sie in diesem ganz speziellen Fall aufgebaut sein und welche besonderen Anforderungen sie erfüllen soll. Und genau das fällt überhaupt nicht in die Thematik meines Studienfaches. Ich muss also wohl oder übel richtig weit über den Tellerrand blicken und mir andere Wissenschaften tiefgehend genug angucken, um die nötigen Komponenten für eine entsprechende Umgebung zu finden.
Wenn man genau darüber nachdenkt, ist das ein sehr großes Thema. Und eigentlich war es auch für eine Gruppe von sechs Studenten ausgelegt. Da es an meiner Uni mehrere Studiengänge gibt, deren Vorlesungsplan sich teilweise überschneidet, die Prüfungsordnung aber eine etwas andere ist, passiert es, dass einige Studenten verpflichtet sind, eine Hausarbeit als Leistungsnachweis abzugeben, andere jedoch nicht. Und so war es auch in meinem Fall: aus sechs Gruppenmitgliedern wurden nach Erkenntnis des Ausmaßes an Arbeit schnell drei, was ich keinesfalls verurteile. Was ich aber verurteile, ist die unglaublich unfaire Organisation, die es erlaubt, dass solche Gruppen überhaupt zustande kommen. Da ich einen Gesamtbericht erstellen soll, müssen sich die restlichen Mitglieder um die technische Realisierung kümmern. Dass das zu zweit gerade unmöglich ist, zeigt die Tatsache, dass die beiden verbliebenen Mitglieder bis heute, und es ist schon ein ganzes Semester vergangen, seit wir den Kurs beendet haben, keine Arbeit abgegeben haben. Aber wer kann es ihnen übel nehmen? Zu zweit eine ganze Forschungsumgebung aufzusetzen ist nicht unbedingt eine Aufgabe, die einem im 3. Semester leicht fällt. Aber nun gut, übrig bleiben also ich und mein Gesamtbericht. Aufgabe wäre gewesen, Anforderungen an eine Umgebung zu erläutern, unsere Pläne und Arbeitsschritte zu dokumentieren und das Resultat zu beschreiben und mit den Plänen vom Anfang zu vergleichen. Das Problem: es gibt kein Resultat. Es gibt nicht einmal einen richtigen Plan! Arbeitsschritte gibt es auch keine und die Anforderungen wurden auch nur sporadisch besprochen. Und das führt mich zu meinem Problem: ich muss mich jetzt in jedes einzelne Gebiet einarbeiten, das eigentlich von jemand anderem hätte bearbeitet und dessen Ergebnisse mir hätten zugeschickt werden müssen. Zwar sagte mir der Professor, dass niemand von mir erwarten könne, dass ich die Teile der anderen erledigte, allerdings erhöht sich mein Aufwand erheblich um all die Kleinigkeiten, die fünf andere hätten ausführlich erarbeiten müssen.
Und für bedeutet das: Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit! Ich muss meine Recherchen aus dem letzten Semester noch mal komplett neu aufrollen und meine Gliederung überdenken. Ich muss nicht nur in Bereichen suchen, die mir völlig fremd sind und auf die ich nicht vorbereitet war, sondern mir auch Schritte ausdenken, die hätten statt finden sollen und Ergebnisse erfinden, die man hätte vorlegen können.
An dieser Misere kann ich leider nichts ändern. Und so mutiert die vermeidlich doch recht leichte, schriftliche Hausarbeit aus dem letzten Semester zu meinem größten Feind in diesem. Und es wird nicht besser: für meine Programmierhausarbeit bin ich nur bedingt gut vorbereitet. Ich hatte dieses Semester viel Stress mit Arztbesuchen, Physiotherapien, einigen Referaten und ab zu liefernden Hausaufgaben. Und für die Arbeit über Erzählstrukturen fehlt mir jegliche Motivation, weil die Panik, die anderen Arbeiten nicht abzugeben, zu sehr an meinem Nervenknäuel nagt.
Zwar bin ich in meinem Studium schon recht weit, fertig, zumindest mit den Leistungsnachweisen aber noch lange nicht. Ich habe es nie geglaubt, aber der Bachelor ist tatsächlich alles andere als ein Kinderspiel. In der obligatorischen Studienberatung wurde ich gefragt, was ich, wenn ich noch einmal von vorne anfangen würde, gerne anders gemacht hätte. Nichts, sagte ich, mein Studium verlief bislang einwandfrei. Gewünscht hätte ich mir aber eine bessere Organisation von Seiten der Uni, damit ich mich voll auf mein Studium konzentrieren könnte, anstatt die Hälfte der Zeit mit Planung, Papieren und sich überschneidenden Stundenplänen zu verbringen.
Würde ich noch einmal von vorne anfangen, würde ich es vielleicht an einer kleineren Uni versuchen. Ich habe den Eindruck, dass die Kommunikation zwischen Student und Institution da einfacher verläuft, die Kurse vielleicht weniger voll sind, das Angebot der Nachfrage und nicht irgendwelchen Budgetkürzungen angepasst wird und die Betreuung der Studenten auf einer viel persönlicheren Ebene statt findet. Ich kann aber nicht von vorne anfangen. Und so gebe ich mit dem zufrieden, was ich habe und gebe  weiterhin mein Bestes in der Hoffnung, dass es gut genug ist, um in einem Jahr ein gut abgeschlossenes Bachelorstudium in der Tasche zu haben.

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